Eine Heilpflanze für alle? Nein, sicher nicht!

Frau Dr. Peters Kristin Frau Dr. Peters Kristin

Dr. Kristin Peters ist Wissenschaftlerin und Pflanzenheilkundlerin mit ihrem eigenen Unternehmen „Papaver“. Ein Gespräch mit Ruth Auschra für vitalpilze-naturheilkunde.de

Frau Dr. Peters, gibt es eine typische Heilpflanze, die Sie in der Frauenheilkunde empfehlen?

Peters: Nein, das würde ich so nicht sagen. Es gibt weder eine Pflanze noch ein Rezept , das bei allen wirkt. Wir wollen doch gerade anders als die Schulmedizin an den Menschen herangehen. Wir wollen nicht einfach das konventionelle Mittel gegen ein pflanzliches austauschen. Eine gute Pflanzenheilkunde zeichnet sich durch eine ganz individuelle Herangehensweise aus. Durch die Erforschung der individuellen Ursache vor allem…

Aber gibt es nicht vielleicht doch eine Pflanze, die Ihnen häufig im Zusammenhang mit Frauen einfällt?

Peters (lacht): Wenn es denn sein muss, würde ich den Frauenmantel nennen. Er hat etwas Einhüllendes, das oft dabei hilft, das richtige Maß an Gelassenheit zu finden und zu leben. Es ist doch für Frauen auch heute nicht immer ganz leicht, sich ihren Platz zu nehmen. Frauenmanteltee tut oft Frauen in der Phase zwischen Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit gut. Aber auch bei Blasenentzündungen oder Ausfluss oder auch zur Unterstützung in der Schwangerschaft.

Gibt es typische Kombinationspartner zu Frauenmantel?

Peters: Um einen entkrampfenden Tee herzustellen, kann man Frauenmantel gut kombinieren mit Schafgarbe und Gänsefingerkraut. Aber auch Melisse wäre ein schönes Mittel, zum Beispiel bei Übelkeit und Unwohlsein.

Wäre das auch eine typische Empfehlung für schwangere Frauen?

Peters: Schwierig. Sie suchen wieder nach allgemeingültigen Empfehlungen, die ich grundsätzlich nicht so gut finde. Außerdem wird in der Schwangerschaft insgesamt weniger Tee empfohlen. Durchblutungsfördernde Tees könnten ja über eine verstärkte Uterusdurchblutung bei manchen Frauen auch unerwünschte Folgen auf die Schwangerschaft haben. Ich möchte dazu anregen, nicht einfach nach einer Pflanze zu suchen, sondern ganzheitlich und individuell vorzugehen. Nehmen Sie die schwangere Frau: eine Schwangerschaft verändert alles. Was hat sie gerade für Probleme, was für Ängste und Sorgen? Darüber kann man sprechen, wenn es während der Schwangerschaft zu Beschwerden kommt. Wenn ihr ihre Gefühle bewusst werden, kommen vielleicht auch schmerzliche Probleme hoch – das bedeutet Tränen. Emotionen zeigen, das ist vielen modernen Menschen unangenehm, hilft aber enorm bei der Bewältigung. Das gilt nicht nur für eine Schwangerschaft. Und um auf Ihre Frage nach der passenden Heilpflanze zurückzukommen, Zitronenmelisse hilft zum Beispiel dabei, eine Situation anzunehmen.

Sie bieten auch Kurse für Hebammen an. Warum?

Peters: Frauen wünschen es sich heute sehr, von der Hebamme betreut zu werden. Gleichzeitig wird diese Aufgabe der Hebamme von der Politik nicht gerade leicht gemacht. Gar nicht leicht! Alternative, komplementäre medizinische Verfahren – diese Art der Betreuung wird von der Hebamme immer mehr gefordert. Sie sollen nicht mehr nur individuell und gut versorgen, sondern es ist fast zu einem Automatismus geworden, Kenntnisse in Naturheilkunde von ihnen zu erwarten. Die Hebammen müssen sich also einerseits immer mehr in Richtung Naturheilkunde fortbilden. Andererseits sind ihre Möglichkeiten sehr beschränkt, dieses Wissen überhaupt einzusetzen.

Was ist denn zum Beispiel ein typisches Hebammenthema?

Peters: Das ist ein riesiges Gebiet, da kann man nicht in ein paar Sätzen antworten. Ein Beispiel ist der Fencheltee, den die stillende Mutter trinkt. Über die Milch kommt der Tee beim Baby an. Er wirkt sehr beruhigend, sehr entkrampfend, er bringt Wärme in den Verdauungstrakt, auch gerade bei Koliken. Fenchel ist außerdem auch ein Stärkungsmittel für die Stillende, vor allem bei Frauen, die viel Kraft brauchen. Aber wenn es generell um die Pflanzenheilkunde geht: dieses Thema umfasst ja viel mehr als Tee. Nehmen Sie die vielen Hersteller, die wunderbare Mittel anbieten. Oder solche Dinge wie Umschläge und Kompressen, Aromatherapie, Bäder…

Bleiben wir doch kurz bei den Bädern. Ich liebe Bäder!

Peters: Bäder sind etwas Wunderbares. Leider werden sie in unserem Alltag sehr vernachlässigt. Schwangere zum Beispiel, die sehr unruhig sind oder Schlafprobleme haben, können abends ein warmes Fußbad nehmen. Gerne auch ein ansteigendes Bad, bei dem man Wasser nachfüllt, um die Temperatur wieder zu erhöhen. Solche Fußbäder erden und helfen deshalb gegen Ängste.

Nimmt man einfach Wasser oder empfehlen Sie Badezusätze?

Peters: Es gibt fertige, sehr gute Badezusätze, zum Beispiel mit Lavendel oder Tanne zur Schlafförderung. Selbst kann man natürlich auch einen Badezusatz erstellen. Dazu kann man ätherische Öle benutzen oder aufgebrühte Kräuter, einen Kräutertee also. Was immer wieder im Internet oder in Büchern auftaucht, ist der Tipp, einfach eine Handvoll Kräuter direkt ins Badewasser zu geben. Das ist nicht empfehlenswert. Bei einer Wassertemperatur von etwa 35°C kommt ja sonst kaum etwas von den Kräutern im Wasser an. Ich empfehle, Kräuter in guter Qualität zu kaufen – und die kosten Geld, also würde ich sie nicht verschwenden. Deshalb ist es sinnvoll, einen Tee mit den Kräutern herzustellen und den ins Badewasser zu gießen.

Und welche Kräuter außer Lavendel eignen sich als Badezusatz?

Peters: Es gibt so viele! Nehmen Sie Zitronenmelisse, die ist stimmungsaufhellend, angstlösend und harmonisierend. Ein guter Kombinationspartner ist Schafgarbe, die auch beruhigend wirkt.

Welche Aromaöle würden Sie zum Baden empfehlen?

Peters: Wundermittel gibt es nicht. In den Wechseljahren finde ich Rosenöl mit seinem luxuriösen Duft empfehlenswert. Kennen Sie die Geschichte von der berühmten Orgie der alten Römer? Als luxuriöse Überraschung ließen sie Tonnen von Rosenblättern auf die Gäste regnen, bis diese erstickten. Der Duft gilt als herzöffnend. Gut finde ich es auch, sich zwei winzige Tropfen Rosenöl auf das Kopfkissen zu tropfen. Wenn man sich nachts umdreht, riecht man den Rosenduft. Es ist, als würde man in einem Rosenhain schlafen.

Eine schöne Vorstellung. Danke für das Gespräch – und beim nächsten Mal stelle ich nur Fragen zu einem einzigen Thema, versprochen!

weiter Informationen erhalten sie auf der Homepage von Frau Dr. Kristin Peters

Foto: Kerstin Brandau

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