Darmkrebs verhindern?

Vitalpilze Bild: Bigstock, seagames50

In den letzten Jahrzehnten stellten Wissenschaftler fest, dass ein enger Zusammenhang zwischen chronisch-entzündlichen Veränderungen und der Entstehung von Krebserkrankungen besteht. Ein Beispiel dafür sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, also Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Leitsymptom der Krankheiten sind häufige Durchfälle und Bauchkrämpfe. Diese Krankheitsbilder treten in der westlichen Welt in den letzten Jahren immer häufiger auf und leider haben betroffene Patienten ein erhöhtes Risiko, im Laufe der Zeit eine Darmkrebserkrankung zu bekommen.

Ein logischer Ansatz zur Verhinderung von Krebserkrankungen könnte die Bekämpfung der entzündlichen Veränderungen sein. Und in diesem Zusammenhang könnten – mit aller Vorsicht ausgedrückt – Medizinalpilze ein viel versprechender Ansatz sein.

Viele Pilzarten haben entzündungshemmende Eigenschaften. Verantwortlich dafür sind langkettige Zuckerverbindungen, so genannte Polysaccharide bzw. Beta-D-Glucane. Sie stimulieren verschiedene Zellen des Immunsystems, etwa natürliche Killerzellen oder Fresszellen. Dadurch, so wird angenommen, kann das Immunsystem besser auf frühe Zellveränderungen reagieren und die Entstehung von Tumoren hoffentlich möglichst oft verhindern.

Die Jerusalemer Wissenschaftler der Hebrew-Universität richteten ihr Augenmerk auf den Zusammenhang von Medizinalpilzen und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Sie durchsuchten Studiendatenbanken im Sinne einer Meta-Analyse. Im Mittelpunkt standen dabei die Bedeutung der so genannten Zytokine, zu denen der Tumornekrosefaktor TNF-alpha gehört. Dieser Botenstoff sorgt dafür, dass zu Beginn einer entzündlichen Reaktion im Körper Signale weitergegeben werden, die Abwehrzellen „herbeirufen“. Eine Art körperinterne Alarmsirene also, die aber im Fall der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nicht mehr aufhört zu läuten, sodass die Entzündung nicht mehr zur Ruhe kommt. Wird TNF gehemmt, lässt auch die Entzündungsaktivität nach.

Die Beta-Glucane aus Pilzen scheinen einen gewissen Einfluss darauf zu nehmen, wie die Freisetzung von Zytokinen reguliert wird. Dadurch haben sie eine immunmodulatorische Wirkung. Praktisch kann das zum Beispiel bedeuten, dass Entzündungsreaktionen durch eine Verringerung der Mengen an entzündungsverstärkenden Zytokinen abgeschwächt werden.

Nach Ansicht der Autoren könnte durch die Einnahme von Beta-Glukanen aus Pilzen eine Modulation der Schleimhautentzündung erreichbar sein. Für die betroffenen Patienten könnte so eines Tages eine effiziente Behandlung der geschädigten Schleimhaut von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen möglich werden.

Quelle:

Schwartz B, Hadar Y: Possible mechanisms of action of mushroom-derived glucans on inflammatory bowel disease and associated cancer. Ann Transl Med 2014; 2 (2):19. doi: 10.3978/j.issn.2305-5839.2014.01.03

Kurz kommentiert:

Die Untersuchung bietet interessante wissenschaftliche Ergebnisse, die eigene Beobachtungen unterstützen. Mit Medizinalpilzen oder einer Kombination aus verschiedenen natürlichen Substanzen ist es meiner Erfahrung nach manchmal möglich, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen zu bessern. Natürlich hofft man, dass sich in solchen Fällen kein Darmkrebs entwickelt.

Dr. med. Andreas Kappl

1 Kommentar zu Darmkrebs verhindern?

  1. Es ist nicht einfach mit Krebs zu kämpfen, aber es lohnt sich zu kämpfen. Danke für die Infos.

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