Kräuter-Wurmkuren für Hunde

Wurmkuren mit Kräutern Wurmkuren mit Kräutern, Bild: Bröckel

Tierheilpraktikerin Sabine Bröckel entwickelt Kräuterkombinationen, Anti-Wurmkuren zum Beispiel. Ihre eigenen Hunde wurden nie geimpft und bekommen auch keine üblichen Wurmkuren. Trotzdem geht es ihnen gut, wie sie im Interview mit Ruth Auschra berichtet.

Frau Bröckel, kann man mit Kräutern verhindern, dass Haustiere Würmer bekommen?
Bröckel: Das sind gleich zwei Themen. Also erstens: In Kontakt mit Würmern kommt jedes Tier, das lässt sich nicht verhindern. Aber ein gutes Immunsystem kommt damit normalerweise zurecht, sodass das Tier nicht krank wird. Und zweitens: Man kann mit Kräutern wirklich viel machen. Aber was mich zur Weißglut bringt, das sind Wurmkuren, die angeblich für alle Tiere geeignet sind, für Hund, Katze, Meerschweinchen oder Ziege. Das ist natürlich Unsinn.

Warum?
Bröckel: Weil die Tiere einen unterschiedlichen Stoffwechsel haben. Katzen vertragen gar keine ätherischen Öle, weil sie eine Glucuronidierungsschwäche haben. Das bedeutet, sie können ätherische Öle nicht verstoffwechseln. Deshalb werden diese Stoffe in der Leber angelagert, bis sich die Katze dann irgendwann mit so einer Kräuterwurmkur selbst vergiftet hat. Wurmkuren mit Kräutern für alle Tiere, also auch für Katzen – so ein Produkt ist sicher nicht vernünftig. Salizylsäure vertragen Katzen übrigens auch nicht.

Lassen Sie uns das Thema lieber eingrenzen: Wie kann man einen Wurmbefall bei Hunden verhindern?
Bröckel: Einerseits entsteht ein Wurmbefall oft erst durch das Eingreifen der Menschen. Wenn Getreide gefüttert wird, ernährt man damit die Würmer. Das Zentrum der Gesundheit liegt im Darm, das gilt für Menschen wie für Hunde. Wenn der Darm gesund ist, kann sich der Körper selbst ganz gut gegen Parasiten wehren. Dafür gibt es einiges, was man unterstützend geben kann. Kokosöl zum Beispiel sorgt für ein Darmmilieu, in dem sich Würmer nicht wohlfühlen. Es enthält Laurinsäure, die auch in der Muttermilch vorhanden ist und die Immunabwehr stärkt. Ich könnte jetzt sehr viele Kräuter aufzählen, die das Darmmilieu so verändern, dass Würmer sich nicht wohlfühlen. Wichtig ist aber auch die Art der Verabreichung. Hunde sind zwar keine reinen Fleischfresser, aber sie würden keine getrockneten Brennnesseln futtern. Sie können die Zellulose nicht so gut verdauen, deshalb müssen für Hunde die Kräuter gemahlen sein, sonst bleiben sie im Fressnapf liegen. Und es kommt darauf an, unter welches Fressen wir die Kräuter mischen.

Wie macht man das?
Bröckel: Trockenfutter mit Kräutern draufgestreut, das funktioniert nicht. Oft geht es am besten, wenn das Kräuterpulver zusammen mit etwas Lachsöl über das Trockenfutter gegeben wird, sodass es miteinander verklebt. Wenn frisches Fleisch gefüttert wird, klebt sowieso das Kräuterpulver daran fest. Auf dem Markt gibt es auch Kräuterkapseln, die ich allerdings nicht gut finde. Damit die Hunde sie fressen, wird meistens Honig dazu gegeben, was ich aus zwei Gründen ablehne. Einerseits ernährt man damit die Würmer, die freuen sich über Kohlehydrate. Und andererseits bin ich Veganerin und versuche, meinen Hunden möglichst wenig tierische Produkte zu geben.

Aber Ihre Hunde sind keine Veganer, oder?
Bröckel (lacht): Nein, wir haben das versucht, aber es hat ihnen nicht gut getan. Sie haben Blähungen bekommen und sich ständig gejuckt. Deshalb bekommen sie jetzt wieder Fleisch und Fisch. Und wo es sinnvoll ist, empfehle ich für Hunde auch Honig oder Propolis. Für Welpen ist Propolis zum Beispiel etwas sehr Gutes. Es powert sozusagen das Immunsystem. Das ist ein ganz wichtiger Unterschied zu den chemischen Wurmkuren, die dämpfen die Abwehr. Wenn man Welpen etwas Gutes tun will, gibt man ihnen Kokosöl und Propolis.

Welche Kräuter empfehlen Sie für den Darm?
Bröckel: Nicht nur Kräuter. Walnussblätter zum Beispiel sind toll gegen Würmer. Sie enthalten Juglon und wirken entzündungshemmend und adstringierend, da zieht sich das Gewebe also zusammen und die Würmer mögen das nicht. Auch Kürbiskerne wirken gut. Oder nehmen Sie gemahlene Karotten, die verbessern den Geschmack und sind gut für das Darmmileu.

Hunde fressen Karotten?
Bröckel: Ja, sicher. Etwas schwieriger ist es zum Beispiel bei Algen. Sie enthalten viel Vitamin B und Aminosäuren, aber man muss herausfinden, wie man sie verabreichen kann. Meine Hunde fressen zum Beispiel gerne Joghurt, aber wenn es durch Chlorella und Spirulina grün wird, lehnen sie es ab. Grünlippmuschel dagegen riecht lecker nach Fisch, sodass sie das Pulver gerne fressen. Man muss umgekehrt aber auch überlegen, worauf man verzichten möchte. Ich habe zum Beispiel eine Mischung für Hunde zusammengestellt, bei der ich bewusst auf die Verwendung von Knoblauch und Thymian verzichtet habe. Beide Heilpflanzen sind zwar in vielen Wurmmischungen enthalten und gelten als sehr wirksam. Aber manche Hunde reagieren sehr sensibel auf Knoblauch und Thymian kann bei empfindlichen Hunden zu Herzrhythmusstörungen führen. Auch Ingwer würde ich nicht in einer Hundemischung verwenden, weil man es extrem hoch dosieren müsste, um eine Wirkung zu erzielen. Man müsste 1g Ingwer pro Kilogramm Körpergewicht geben. Stellen Sie sich einen 50-kg-Hund vor: dem müssten Sie 50g Ingwer geben! Das kriegen Sie in den Hund nicht rein. Ganz grundsätzlich: Mir ist es wichtig, dass nicht allzu sorglos mit Kräutern umgegangen wird.

Ein wunderbares Schlusswort, vielen Dank für das Gespräch!

Mehr Infos: http://kraeuterbine.de
Foto: (c) S. Bröckel

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