Pflanzen, Pilze und Vitamine gegen Wechseljahresbeschwerden

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Magdalena Nicotra ist Heilpraktikerin und Hormonberaterin. Einer ihrer Arbeitsschwerpunkte ist die Hormonbalance und Frauengesundheit insgesamt. Im Interview fragte Ruth Auschra nach pflanzlichen Behandlungsmöglichkeiten von Wechseljahresbeschwerden.

 

Frau Nicotra, mit welchen Pflanzen kann man etwas gegen die typischen Wechseljahresbeschwerden unternehmen?

Nicotra: Um die Frage besser beantworten zu können, würde ich gerne zuerst etwas über die natürlichen Veränderungen der weiblichen Hormonphasen sagen. Meiner Erfahrung nach wissen viele Frauen darüber nämlich nur sehr wenig.

 

Gerne!

Nicotra: Vorab: Wechseljahre müssen nicht mit Beschwerden einhergehen. Bei etwa einem Drittel der Frauen kommt es gar nicht zu Beschwerden, bei einem weiteren Drittel sind es mäßige und beim letzten Drittel bestehen starke Beschwerden, die dann auch die Lebensqualität beeinträchtigen. Vom zeitlichen Ablauf her können wir die Wechseljahre in drei Phasen einteilen: Prä-, peri- und postmenopausal. Prämenopausal bedeutet, dass bei den Frauen oft schon mit Mitte 30 der Eisprung seltener wird und dadurch ein Progesteronmangel besteht. Das kann individuell verschieden ablaufen und hängt auch vom Lebensstil ab. Wer zum Beispiel lange die Pille genommen hat, hat den Eierstöcken quasi abgewöhnt zu arbeiten. Es wird tatsächlich schon von dem so genannten Post-Pill-Syndrom gesprochen. Das kann belastend sein für Frauen, die früh angefangen haben, Hormone zu nehmen und dann mit Mitte 30 doch einen Kinderwunsch haben.

 

Weil es mit dem Kind dann nicht mehr klappt?

Nicotra: Ja, das kann passieren, wenn die Eierstöcke durch die Pille nicht mehr richtig arbeiten, kann es prämenopausal Zyklen ohne Eisprung geben. Auch Stress, Diäten, Vitamin -und Enzymmangel oder Alkoholkonsum können sich negativ auswirken. Dann kann der Kinderwunsch zumindest erschwert sein. Oft nehmen die Frauen auch an Gewicht zu. Nicht, weil sie mehr Fett ansetzen, sondern weil sich durch den Progesteronmangel Wasser anlagert. Es kommt dann auch gehäuft zu Myomen und Zysten. Kurz gesagt: Nur, wenn Progesteron und Östradiol in einer Balance sind, fühlen wir uns körperlich und psychisch ausgeglichen.

 

Gut, das war also die prämenopausale Phase. Wie geht es weiter?

Nicotra: So ungefähr ab 40 arbeiten die Ovarien immer weniger und die Vorbereitung auf die perimenopausale Phase – auch Wechseljahre genannt – beginnt. Wenn die Nebenniere aktiv ist, kann sie bei der Hormonproduktion helfen. Aber bei manchen Frauen ist sie erschöpft. Typische Symptome für die Wechseljahre sind dann Hitzewallungen, Schwitzen, Blutungen und Herzklopfen. Oder auch Schilddrüsenprobleme, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen bis zu Depressionen und trockene Schleimhäute.

Das durchschnittliche Alter einer Frau die sich in den Wechseljahren befindet, liegt bei etwa 45 bis 55 Jahren. Wenn die Zyklusblutungen ungefähr ein Jahr lang aufgehört haben, sprechen wir von der postmenopausalen Phase. Diese Phase kann jedoch erst im Nachhinein bestimmt werden. Hier fällt die Hormonprodukion der Eierstöcke auf ihr Minimum. Das kann mit 45 oder auch mit 60 der Fall sein, die Spanne ist groß.

 

Und was kann frau jetzt tun, um diese Phasen möglichst gut zu durchleben?

Nicotra: Gut leben! Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und eine hohe Trinkmenge sind nötig, ein Leben im Rhythmus mit regelmäßigem Schlaf, gerne auch vor Mitternacht und eine heile Seele sind die wichtigsten Aspekte. Außerdem ist es von großer Bedeutung, Leber und Niere zu stärken. Die Leber muss Hormone und ihre Metaboliten abbauen und den Körper entgiften. Den Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht zu halten, ist genauso wichtig wie ein Verzicht auf Xenohormone. Also auf Stoffe, die eine östrogenähnliche Wirkung entfalten können und unseren Hormonhaushalt fälschlicherweise beeinflussen. Diese finden wir leider oft in Pflegeprodukten, Plastikflaschen, Pestiziden und so weiter.

 

Welche Mittel setzen Sie zur Leberstärkung ein?

Nicotra: Von den Heilpflanzen her gerne Löwenzahn und Mariendistel. Löwenzahn stärkt Leber und Galle, Mariendistel hat eine sehr starke Wirkung auf Leberzellen. Außerdem gibt es noch Pilze, die ich gerne einsetze. Sie wirken immunmodulierend und adaptogen, also ausgleichend. Cordyceps stärkt Niere und Nebenniere, hat aber auch Bezug zur Leber und kann einen positiven Einfluss haben bei depressiven Verstimmungen, Ängsten und auch bei Schilddrüsenentgleisungen. Er kann die Schlafqualität verbessern und die Stimmung heben. Ein weiterer Pilz ist der Reishi, der einen starken Bezug zur Leber hat. Er kann ein erhöhtes Gesamtcholesterin oder auch erhöhte Triglyzeride senken. Zu hohe Cholesterinwerte sind häufig Ausdruck von einem gestörten Hormonabbau. Deshalb sinken sie auch, wenn die Leber gestärkt wird. Statine hemmen Enzyme, die zum Hormonaufbau nötig sind. Wenn man auf diese Weise die Cholesterinwerte zu sehr senkt, geht auch die Hormonproduktion zurück, weil die Hormonsynthese einfach kein Fundament mehr hat.

 

Und welche Pflanzen sind empfehlenswert bei Wechseljahresbeschwerden?

Nicotra: Da ist zuerst der Frauenmantel zu nennen, ein Begleiter für Frauen in jedem Alter. Der Frauenmantel kann zum Beispiel bei Schwierigkeiten mit der weiblichen Identität helfen aber auch hormonell ausgleichend wirken bei Menstruationsbeschwerden sowie auch bei PMS. Er eignet sich hervorragend als begleitende Pflanze in Verbindung zu anderen Therapien. Wenn der Zyklus noch gut zu regulieren ist, ist Mönchspfeffer auch Mittel der Wahl. Er wirkt in der Prämenopause besonders effektiv, da er in der Lage ist, die zwei Zyklushälften durch die Balancierung des Gelbkörperhormones über die Hypophyse zu unterstützen. Wichtig zu erwähnen ist, dass er nicht von schwangeren oder stillenden Frauen angewendet werden sollte. Sehr gut finde ich auch Johanniskraut als Begleitpflanze mit seinem Bezug zum Licht. Es wirkt aufhellend, beruhigend und antidepressiv, das hat ja auch die Schulmedizin inzwischen entdeckt.

 

Gibt es bestimmte Pflanzen bei typischen Symptomen, also zum Beispiel Schwitzen?

Nicotra: Ja, da kann Salbei helfen. Lauwarme Waschungen mit Salbeitee können die Schweißsekretion hemmen. Oft hilft es auch, einfach ein Salbeiblatt zu kauen. Bei Schlafstörungen kann man auch an Hopfen denken, der schlaffördernd und beruhigend wirkt. Er hat eine östrogenähnliche Wirkung und kann Angst, Nervosität und Reizbarkeit lindern. Auch die Traubensilberkerze wirkt östrogenähnlich. Diese Pflanze ist auch erste Wahl bei Frauen in den Wechseljahren und bei Brustkrebspatientinnen, da sie laut Studien das Tumorwachstum nicht stimuliert. Anders ist es bei Rotklee. Die Isoflavone können auch viele Beschwerden lindern und erhöhte Cholesterin- oder Triglyzeridwerte senken. Aber Rotklee sollte nicht bei hormonsensitiven Tumorerkrankungen eingenommen werden. Dann könnte ich noch etwas zu Lavendel und Melisse sagen. Beide Pflanzen wirken ausgleichend, stresslösend und beruhigend. Es sind Pflanzen, die von Frauen gerne als Begleitpflanzen genommen werden.

 

Das war ja schon eine beachtlich lange Liste…

Nicotra: Ich bin noch nicht fertig, ich würde gerne noch etwas zur Vitaminversorgung sagen! Häufig ist es meiner Erfahrung nach wichtig, fehlende Vitamine und Mineralstoffe zu ersetzen. Das gilt besonders für Frauen, die lange Zeit die Pille genommen haben. Die Pille beeinflusst vor allem die Synthese der Vitamin-B-Reihe. Ich möchte einfach daran erinnern, dass die Hormone nur richtig arbeiten können, wenn Vitamine, Mineralstoffe und Enzyme ausreichend zur Verfügung stehen. Und noch etwas: Grundsätzlich haben viele Frauen, nicht nur in den Wechseljahren, einen Vitamin-D-Mangel. In meiner Praxis sind ausnahmslos alle unterversorgt.

Man muss auch noch hinzufügen, dass jegliche Auswahl der Pflanzen sehr individuell an die Beschwerden jeder einzelnen Frau angepasst werden sollte. Schließlich möchte man wissen, ob man eher die Östrogene oder Progesteron pflanzlich beeinflussen möchte. In erster Linie wäre es von Vorteil, einen Hormonspeicheltest zu machen, welcher uns nach der Auswertung die Auswahl der passenden Pflanzen erleichtern kann.

 

Danke, das war ein sehr ausführliches und interessantes Gespräch!

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